Des einen Osterfest, ist dem Hacker sein EasterHegg und so fuhren auch in diesem Jahren etliche Siegener Chaos Computer Club Mitglieder zur EasterHegg in Wien. Neben der größten Veranstaltung des Jahres, dem Chaos Communication Congress mit 18 000 Teilnehmern zwischen den Jahren, gibt es vier kleinere und familiärere Chaos-Veranstaltungen, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. Dazu gehört die „Easterhegg“ mit 700 Teilnehmern, wovon 2019 sieben aus Siegen kamen und sich augenzwinkernd „Das Eine Prozent“ nannten. Neben den Verlockungen der Stadt Wien, der nerdigen Hackerreise und den Vorträge, Workshops und Chaoten des EasterHeggs gehörte vor Allem das diesjährige Regiotreffen zu den Gründen die 11 stündige Hinfahrt auf sich zu nehmen. Chaos Siegen e. V. stellte seinen Antrag auf Erfa-Status des Chaos Computer Clubs.

Vom CCC und die Szene in Siegen

Der Chaos Computer Club besteht aus unterschiedlichen „Entitäten“ und Klassen von Entitäten. Ein Chaostreff und ein Erfa sind zwei solcher Klassen von Entitäten. Ein Chaostreff ist Teil des Chaos Computer Clubs und entscheidet frei wie sehr und wie genau er sich für die Ziele des Clubs einsetzt. Bei einem „Erfa“, kurz für „Erfahrungsaustauschkreis“, ist der Club Teil vom Erfa und so sind die Erfas den Clubmitgliedern, Clubthemen und Clubzielen verpflichtet. Da Siegen, Siegerland, Südwestfalen eine Chaos-Diaspora darstellen, haben sich im Herbst 2011 bereits einige Chaoten zum Chaostreff zusammen gefunden um eine Schnittstelle zwischen dem CCC und der lokalen Szene zu sein. Mit der Zeit ist der Chaostreff langsam gewachsen und damit auch die lokale Szene: Mittlerweile steht ein Hackspace (HaSi e. V.) stabil als Refugium für die Szene, aber auch als Inkubator für Gruppen von Bürgerrecht über Kunst bis zu Programmieren. Genauso wie ein Fablab und ein Atelierhaus. Es war an der Zeit sich stärker als Schnittstelle zwischen Chaos und Siegen zu etablieren, weshalb Chaos Siegen nun den Schritt zum Erfa geht.

Die Reise und die Grenze der Flauschigkeit

Zum Entzücken des Zweiten Vorstands und Erfakreisvertreters „Moe“ war der Leihwagen ein frisch vom Band gerollter „fetter Benz! Junge!“ Mit Neuwagenduft fuhren die Sieben dann ab nach Wien. Der Kassenwart ließ es sich nicht nehmen mit Blasmusik in Österreich einzufahren, wurde dann aber auch schnell wieder abgelöst. Nach elf Stunde ließen es sich die meisten nicht nehmen in den schwülen Abendstunden vom Hotel noch zum Veranstaltungsort zu spazieren. Es fand in Campus Gußhaus, „Das neue EI“ statt und leuchtete und blinkte in den RGB-Farben, die das Chaotenherz höher schlagen ließen. Chaos Veranstaltungen folgen einem eigenen Muster: Es gibt immer einen Info-Desk. Dort erhält man Auskunft darüber, was es noch so gibt. Der „Himmel“ ist der Ort, wo die Freiwilligen, die bei der Veranstaltung unterstützende Aufgaben übernehmen, sich aufhalten können. Hier lernt man am Schnellsten neue Leute kennen und hat kurze Wege zur Verpflegung. Die Siegener meldeten sich also umgehend dort an und waren dann offiziell „Engel“. Dort wurden sie zum zweiten Mal gefragt, wann sie das EasterHegg in Siegen veranstalten wollten, weil sie doch „HaSis“ seien: Der Hackspace in Siegen wird seit Jahren „HaSi“ abgekürzt und die Mitglieder bezeichnen sich gegenseitig als HaSis. Bei Chaos Siegen ist man ordentliches Mitglied mit Stimmrecht nur wenn man Mitgliedschaft im CCC und im HaSi nachweisen kann. Es wird noch „kuscheliger“: Der Langname Chaos Computer Club Siegen wird zu c3Si gekürzt und dann auch „<3Si“ geschrieben. „<3“ bedeutet in Chats „Herz“, womit sich die Chaoten Siegens also mit „HerzSi“ ansprechen. Wegen der Mitgliedschaft im HaSi, sind sie also „HaSi-HerzSi“. Nach der Anmeldung im Himmel sind sie „HaSi-HerzSi-Engel“ und damit haben sie eine ganz eigene Grenze der Flauschigkeit überschritten.

Das Easterhegg in Wien

Neben Info-Desk und Himmel fuhren die Organisatoren der Easterhegg in Wien auch ein „Ewiges Frühstück“ und großes Hackcenter auf. Damit konnte man jederzeit durchgehend immer frühstücken. Gestärkt geht man dann ins Hackcenter. Das ist seit jeher ein großer Raum mit Tischen, Stühlen, Internet, Strom und striktes Fotografier-Verbot. Offiziell wird hier programmiert, gelötet und sich ausgetauscht – dem wird hier nichts hinzugefügt außer Bemerkungen zur Dekoration: Damit man sich in den vielen, verschiedenen Gruppen findet, werden große Banner und Fahnen ausgebreitet. Diese werden von verschiedenen Lichtern, LED-Fackeln und weiteren Blinkies angestrahlt und geben dem Hackcenter eine unglaublich gute Atmosphäre. Neben Info-Desk und Hackcenter befand sich auch noch eine Bar mit verschiedenen koffein- und/oder alkoholhaltigen Getränken im Erdgeschoß. Den Abschluss machte der größte Vortragssaal. Chaosveranstaltungen leben davon, dass Wissen geteilt wird, eine Form ist der klassische Vortrag. Dieser dauert selten länger als 30 Minuten, hat eine Fragerunde und die Vortragenden werden ein bisschen hofiert: Ihre Vorträge werden gestreamt und aufgezeichnet um auf media.ccc.de zur Verfügung gestellt zu werden, wenn sie wollen. Eine Heraldin kündigt die Vorträge an und führt durch die Fragerunde. Es gibt etliche Engel, die dies bewerkstelligen. Chaosveranstaltungen leben auch davon, dass „Dinge getan“ werden, dies sind vor Allem die verschiedenen „Operation Center“. Das NOC (Netzwerk) legt Strom und Internet, das VOC (Video und Audio) mikrofoniert die Vortragenden und nimmt die Vorträge auf. Das POC (Phone) setzt das Chaos eigene DECT-Telefonnetz auf. Sehr beliebt, aber anders gelagert ist das WOC (Waffle): Es backt Waffeln. Die weiteren Vortragsääle waren auf den Etagen zwei bis fünf verteilt. Nicht alle Vorträge und Workshops werden aufgezeichnet, weshalb Erfahrene und Neugierige vor Ort immer besonders zu den Veranstaltungen gehen, die nicht aufgezeichnet werden. Hier werden keine Aussagen darüber getroffen, ob Insiderwissen über was auch immer geteilt wird.

Die Party und die Stadt

Auf der sechsten Etage thronte die Lounge umrahmt von zwei herrlichen Dachterrassen über den Dächern Wiens - und in ihrer Mitte eine weitere liebevoll gezimmerte und geschmückte Bar. Abends und Nacht legten hier DJane und DJ auf und am letzten Tag gab es Karaoke, die wieder überraschend gut angenommen wurde, auch von den Chaoten aus Siegen.Daneben kann man sich den Hackertours anschließen, die einem die besonderen Ecken der Stadt zeigen oder man entdeckt die Stadt einfach so gemeinsam. Das Wetter lud dazu ein und nicht alle blieben im abgedunkelten Hackcenter.

Das Regiotreffen, die Rückfahrt und das Ende

Beim Regiotreffen selber, wurden die Siegener gebeten ihren Antrag nochmal zu stellen und sich selber vorzustellen. Geübt trug Finanzhut nanooq die Kennzahlen vor. Die Konstruktion mit je einem Verein für Hackspace und Chaos wurde erörtert. Die vergangenen Veranstaltungen wurden zusammengefasst vorgetragen und auf verschiedene Referenzen und Beteiligungen hingewiesen. Die Notwendigkeit Erfa zu werden, war mit der Motivation der Diaspora in Südwestfalen etwas entgegen zu setzen ebenfalls erklärt. Chaos Siegen hatte nun bis zur nächsten der „vier Chaosveranstaltungen“ zu warten: der GPN (Gulaschprogammiernacht) in Karlsruhe Ende Mai.Am nächsten Morgen verabschiedeten sich die Sieben schweren Herzens von den 693 und begaben sich auf die Rückfahrt. Mit vier abwechselnd fahrenden Fahrern war die Strecke leicht genommen. Die Banner vom Chaos und des Hackspace wurden zurück in die Räume des HaSi gehangen und die vielen mitgenommenen Sticker in die Stickerbox gelegt. Die Chaosveranstaltungen fallen aus dem Rahmen der eigentlichen Veranstaltungen von Chaos Siegen. Dort gibt es Wellness- und Arbeitstreffen. Zu den Wellnesstreffen sind alle herzlich eingeladen, wir treffen uns in Restaurants und unterhalten uns über alles mögliche. Dort werden auch die Einladungen zu den Arbeitstreffen ausgesprochen. Die finden eher intern statt und fokussieren sich auf die Aufgaben und Projekte des Chaos Siegen: CCC-Themen in Siegen nach vorne bringen und Veranstaltungen organisieren. Chaosveranstaltungen sind beides: Der rege Austausch, das viele Gelernte, das Ausprobieren an neuen Herausforderungen sind anstrengend. Andererseits liefern Gespräche, Bar und Parties auch Momente der Entspannung.Schlussendlich werden sich etliche Siegener auch zu den nächsten Chaosveranstaltungen aufmachen.

Aller guten Dinge sind drei

Die TOP 3 des Moe

• Wir hören Capital Bra im Auto und wundern uns noch wie so eine Scheiße auf Platz 1 sein kann. Als wir in Wien ankommen haben wir seinen Song “Rolex” mindestens vier mal gehört und können den Schrott inzwischen entsetzt mitlallen.
• ~100 Nerds singen inbrünstig “Angels” von Robbie Williams auf der feuchtfröhlichen Karaokeparty
• Während der Barschichten sind die getränkeeinkaufenden Hacker_innen durchweg freundlich, gut gelaunt und gesprächsbedürftig. Ich habe Mühe die gratis “Manner”-Süßigkeiten alle loszuwerden, weil es so furchtbar viel davon gibt. Die meisten reagieren außerdem ungläubig ob des ‘Preises’.

Die TOP 3 des nanooq

Ich habe mich riesig über den Leihwagen gefreut. Das war n schwarzer 7-Sitzer Mercedes mit original 80,7 km auf dem Tacho - ein Neuwagen! Einen Monat später hab ich immer noch nicht die Kaution wieder. Moe ist dann direkt den ersten Teil der 10-Stunden-Strecke gefahren, ich erst das erste Stück in Österreich. Schön hinter der Grenze Fahrerwechsel und dann „hob i ersta Mal a Pfunds-Blasmusik-Platten“ abgespielt, volle Lautstärke. 5 von 5 Sternen, klar. Bin dann auch von den Schluchtenscheißern geblitzt worden. Jedenfalls, 45 Minuten später saß ich wieder hinten, Felix fuhr und andere Musik spielte. Ja, dann waren wir in Wien, alles gut, kurz im Hostel und dann endlich zur EasterHegg. Im Heaven angemeldet, an die Bar, Party. Und das soll mein letztes Highlight sein, dass ich in der Öffentlichkeit frei erwähne: Das Sonnendeck; Eine nicht-videoüberwachte Terrasse über den Dächern Wiens und Klimawandel warme Osternächte mit Schnack, Tschunk und Blink.